Schmetterlinge
können nicht gehen…
Der
kleine
Der
liebe Gott hatte ihn in ein kleines Dorf in Deutschland geschickt. Seine
Eltern wählten für ihn den Namen Martin aus, weil das so ein schöner
Name ist und sie einen kleinen Jungen kannten, der auch Martin hieß und
ein sehr liebes Kind war. Als Zweitnamen gaben sie ihm den Namen
Alexander, weil sie wollten, dass er gross und stark werden sollte. Aber
der kleine Schmetterling Martin war nicht stark. Er war zart und brav. Und
so begann sein Leben auf der Erde, er hatte einen langen Weg vor sich. Gehen
konnte er nicht, er war ja ein
Manchen
tat er leid, aber sie wußten ja auch nicht, dass er ein
Er
ging seinen langen Weg Tag für Tag, begleitet von vielen Menschen, seinen
Eltern, seinen Geschwistern, seinen Großeltern, Tanten, Onkel, Verwandten
und Bekannten, Freunden, Lehrern und Mitschülern. Viele
halfen ihm auf seinem Weg, der Papa trug ihn auf dem Rücken, die Mama zog
ihn im Schwimmring durch das Wasser, die Oma schob ihn im Kinderwagen, die
Tante nahm ihn zu sich aufs Pferd, der Onkel aufs Fahrrad. Und so ging es
immer ein bißchen weiter. Der
Weg, den er gehen mußte, war nur ganz am Anfang gerade und flach. Schon
nach wenigen Wochen wurde er kurviger. Er
begegnete Menschen in weißen Kitteln, die sagten: „Kind, was hast du für
kleine Füßchen“, denn sie wußten nicht, dass er ein
Und
sie brachten ihn in ein großes Haus, wo sie ihm die kleinen Beine
aufschnitten und ihn viele Wochen in Gips einpackten. Da
konnte er überhaupt nicht mehr gehen, nicht einmal mehr krabbeln. Jetzt
fing der Weg an steiniger zu werden und für die Leute, die ihm halfen,
wurde es schwerer, ihn zu tragen, ihn zu schieben oder ihn auf dem Pferd
zu halten. Seine
Eltern gaben ihm alles, was sie geben konnten, aber sie mußten erst
lernen, mit einem kleinen Schmetterling umzugehen. Es war sehr schwer für
sie diese Zeit. Da sie aber nur das Beste für den kleinen
Er
begegnete vielen Menschen, die meisten lachten ihn sofort an und wurden
seine Freunde. Sie freuten sich einfach ,wenn sie ihn sahen, er sah so
klein und zerbrechlich aus. Und jeder wollte ihm irgendwie helfen. Auch
beim Tragen und Wagen schieben halfen viele mit, manchmal war es schon
genug, wenn sie den Wagen einen Moment festhielten, damit er nicht
davonrollte. Am
liebsten kletterte Martin auf sein kleines rotes Autochen. Da
fühlte er sich den Menschen ebenbürtig, die in großen Autos an ihm
vorbeifuhren. Ganz wild riß er sein Autochen hoch und schob sich nach
vorne, immer weiter auf seinem Weg. An
Sonntagen hatte der Papa mehr Zeit für ihn, dann durfte er im Auto
mitfahren, manchmal vorne beim Papa auf dem Schoß. Beide liebten diese
Stunden, sie waren so nah zusammen. Manche
Menschen sagten dann: „Das dürft ihr nicht, das ist verboten, kleine
Kinder dürfen nicht vorne sitzen.“ Sie
wußten ja nicht, dass der Papa nur ganz langsam fuhr, fast wie bei einem
Spaziergang, auf kleinen Wegen und Straßen. Der
kleine
Aber
in den Dingen, die für den kleinen
Jetzt
fing der Weg an ein wenig anzusteigen; nicht viel, aber beim Schieben
konnte man es schon deutlich merken. Viele
Menschen halfen weiterhin auf seinem Weg, auch wenn sie nur eine Hand frei
hatten oder ihnen der Rücken weh tat: der eine hob die Steine auf, die
auf dem Weg lagen, andere leuchteten, wenn es dunkel war, sie spielten ihm
Lieder vor, hielten den Regen- oder Sonnenschirm, sprachen mit ihm und
seinen Eltern oder standen einfach nur am Rande und winkten. Einige
Menschen standen weit entfernt, sie sagten zu seinen Eltern: „Es ist
doch viel zu schwer für Euch und ihr seht doch, dass es nicht geht. Laßt
ihn doch fliegen, dann ist es für euch leichter.“ Aber
sie hörten nicht auf diese Menschen, denn sie glaubten nicht, dass es
einfacher wäre ohne ihn. Sprechen
hatte der kleine
Er
hatte eine Geheimsprache, die nur die Menschen verstanden, die jeden Tag
mit ihm zu tun hatten. Die Omas nannte er „Omma“, das konnten die
fremden Menschen noch verstehen, die Tante, die ihn mit zum Reiten nahm,
nannte er „Aana“, der Papa war „Abba“, wenn er ins Schwimmbad
gehen wollte, sagte er einfach „emba“. Schwimmen,
baden, im warmen Wasser treiben, das war seine Lieblingsbeschäftigung überhaupt.
Da war er frei, da brauchte er die schwachen Beine nicht. Und wenn man
sagte: „Martin, mach ein Tauchermännchen!“ dann tauchte er ganz fröhlich
seinen Kopf ins Wasser und zog ihn schnell wieder raus. Denn
Schmetterlinge können nicht tauchen, sie können nur im Wasser treiben. Und
er hatte eine eigene Sprache entwickelt. Wenn er Pommes Frites haben
wollte, dann klopfte er einfach mit dem Zeigefinger 3mal auf den Tisch.
Und das machte er oft, denn Schmetterlinge lieben Pommes Frites. Den
Menschen, die nicht wußten, dass er nicht nur 1, sondern 2 Omas hat, die
Anneliese heißen, hielt er stolz das Händchen mit 2 ausgestreckten
Fingern hin.
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Eines
Tages wurde es plötzlich ganz dunkel um den kleinen
Er
konnte auf einmal nichts mehr sehen in der Dunkelheit. Und das ist für
einen kleinen Schmetterling eine sehr schwierige Sache. Jetzt konnte er
sich nur noch auf seine Fühler verlassen. Die
Menschen um ihn herum mußten jetzt noch näher an ihn herankommen. Der
kleine Schmetterling wurde ganz traurig und er sagte zu den Menschen, die
ihn begleiteten: „Ich kann euch nicht mehr sehen, nur noch hören, mein
Leben ist jetzt so schwer geworden, ich bin zu schwer für euch. Ihr seht
doch, ich bin ein
Martin
wurde jetzt oft traurig. Aber
die Menschen um ihn herum sagten: „Kleiner Schmetterling, bleib hier;
solange wir dich bei uns haben, tun wir alles um dir zu helfen. Wir sind
stark und können gut sehen, wir sind deine Beine und Augen, und du bist
unser Herz.“ |
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Es
war der 20. Mai 2002. Der
Weg war jetzt ganz steil geworden, es war dunkel und regnete, dann fing
der Wind an zu blasen. Die
Menschen erschraken, weil sie gesehen hatten, wie andere Schmetterlinge
bei solchem Wetter davongeflogen waren. Sie
sagten: „Kleiner Schmetterling bleib bei uns, wir lieben dich, du bist
unser Herz, wir brauchen dich, laß uns nicht allein.“ Und
der Wind wurde stärker, die Flügel des kleinen
Der
Wind war jetzt sehr stark geworden. Der kleine
Die
Menschen drückten ihn ein letztes Mal. Sie gaben ihm einen langen Kuß
auf die Stirn und sagten: „Flieg,
Martin, Flieg!!“ |